Betreuung

Hauptbetreuung: E. Pernicka; Nebenbetreuung: P. Pfälzner, H. Niehr

Konzept

In der Königsgruft von Qatna wurden mehr als 50 Steingefäße gefunden. Ihre Funktion ist nicht genau bekannt, aber wegen ihres außergewöhnlichen Materials werden sie meist als Prestigeobjekte und Statussymbole gedeutet. Steingefäße wurden aus unterschiedlichen Materialien hergestellt, am häufigsten jedoch aus hellem Calcit, der in vielen Publikationen als "Alabaster" angesprochen wird. Viele Steingefäße aus der nördlichen Levante ahmen Form und Herstellungstechnologie aus Ägypten nach, so dass vielfach von ägyptischen oder ägyptisierenden Gefäßen gesprochen wird. Dennoch ist die Herkunft der Gefäße völlig unklar, denn entgegen der weitläufigen Lehrmeinung könnten solche Gefäße durchaus lokal hergestellt worden sein, denn geeignetes Rohmaterial steht sowohl in Syrien als auch im südlichen Anatolien an. Es soll deshalb versucht werden, mittels mineralogischer und geochemischer Analysen diese lange kontrovers diskutierte Frage zu klären. Zunächst sollen die Rohstoffvorkommen (Calcit, Travertin, u.a.) im östlichen Mittelmeerraum petrographisch und geochemisch, d.h. mittels Spurenelementanalyse (Neutronenaktivierung, ICP-MS) und Isotopenanalyse (vorwiegend Strontium, Kohlenstoff, Sauerstoff, möglicherweise auch Blei) charakterisiert werden. Als Hilfsmittel werden multivariate statistische Methoden herangezogen. Anschließend sollen die Steingefäße aus der Grabanlage von Qatna auf gleiche Weise untersucht werden. Die Ergebnisse dienen zunächst der Materialklassifikation und durch Vergleich mit den untersuchten natürlichen Vorkommen kann auch die Herkunft des Rohmaterials ermittelt werden. Diese Methodenkombination soll hier erstmals in einer größeren Serie von Travertin und anderen Karbonatgesteinen angewandt werden.